Immer öfters werden ich zum Thema Twitter angesprochen und in wie weit Twitter zu anderen Internet Marketing Aktivitäten passt, wie man damit Geld verdienen kann und vor allem, ob sich die zwei Zeilen Text, die man bei Twitter ankündigen darf, überhaupt einer durchliest.
Twitter ist zu einem Phänomen geworden, dessen Entwicklung noch immer von vielen nicht verstanden wurde.
Um Ihnen Twitter einmal näher zu bringen, ist hier eine gute Einführung von einem langjährigen Freund, der derzeit ein Studium der Medienwissenschaften absolviert. Daniel John Riedl hat den Artikel erst gestern veröffentlicht und ich bedanke mich herzlich bei Ihm, dass wir ihn hier in voller Länge vorstellen können.
Der Artikel ist unter der Überschrift “Bewegung im Netz – Einblick in ein Nutzerverhalten” auf dem Blog seines Dozenten Bernd Schmitz erstmalig erschienen und nachfolgend in seiner Vollständigkeit wiedergeben. Viel Spass beim Twittern.
Bewegung im Netz – Einblick in ein Nutzerverhalten
Ich bin Student der Medienwirtschaft an der Rheinischen Fachhochschule Köln (5. Semester) und kam innerhalb der Vorlesung “Multimedia” (4. Sem. / Bernd Schmitz) erstmals mit TWITTER in Kontakt. Seit Anfang 2009 hört man immer wieder, ob in Tageszeitungen, Zeitschriften oder im Fernsehen, von TWITTER als neuestem Kommunikationstool.
Die Regenbogenpresse berichtet ausgiebig über die Twitternutzung von Prominenten wie Ashton Kutcher oder Britney Spears. Analysten sehen einen direkten Zusammenhang zwischen dem US-Wahlergebnis und dem zuvor multimedial, teils über TWITTER geführten Wahlkampf. Wie auch immer man darüber denkt; Über TWITTER hört man teils euphorisch, teils bewundernd, aber auch hier und da entnervt, an jeder Ecke.
Als ich zum ersten Mal von TWITTER hörte, war ich im Grunde nur interessiert daran, detailiierte Informationen über die Sinnhaftigkeit, Ziele und Entwicklung des Tools zu bekommen. Als Student der Medienwirtschaft, schien mir die Auseinandersetzung wichtig. Nun, wie bereits einleitend beschrieben, kursieren die verschiedensten und widersprüchlichsten Meinungen und Kritiken, was es schwer macht, zu einem persönlichen Statement zu gelangen. Deshalb empfand ich es als sinnvoll, TWITTER in seinen Funktionen über einen eigenen Account zu erforschen. Los gings,… Der Einstieg fiel mir relativ leicht. Dies lag vor allem daran, dass sich aufgrund der Vorlesung, in welcher TWITTER parallel behandelt wurde, ein Großteil der Kommilitonen einen Twitter-Account zulegte.
Zu begreifen wie TWITTER funktioniert, dauerte aufgrund der aufs Wesentliche reduzierten Funktionen nicht lange. Nachdem das Erste gegenseitige “Followen” abgeschlossen war, entstand sehr schnell reger Informationsaustausch, der jedoch schon bald an einen einfachen Chat erinnerte und dazu führte, dass einige das Interesse an TWITTER verloren. Auch für mich war es schwierig zu erkennen welchen langfristigen Nutzen TWITTER für mich haben sollte. Ich entschied mich, über einfaches Googlen, den Besuch von Foren und tiefer gehender Recherche herauszufinden wie andere Menschen TWITTER für ihre Zwecke nutzen.
Über Webseiten wie
“wefollow.com” fand ich die Möglichkeit, Twitter-Nutzer gelistet zu bekommen, die ihren Account mit Tags, meinen Interessen entsprechend, versehen hatten. Ich stellte mir die Frage, welchen Mehrwert, abgesehen vom Chat mit Kommilitonen, dem Posten von interessanten Presseberichten, etc., Twitter für mich haben könnte.
Neben dem Studium gehe ich einigen Tätigkeiten nach, die ich nun kurz benennen möchte
- Arbeit als freier Grafiker
Werbemittelgestaltung, Logoentwicklung
- Ehrenamtliche Arbeit
Gestaltung, Öffentlichkeitsarbeit für eine freievangelsiche Gemeinde
- Musiker, Songwriter, Sänger
- Leitung des Musikteams einer freievangelischen Gemeinde
- Organisation regelmäßiger Veranstaltungen im kirchlichen Bereich
- Weitere musikalische Engagements
Ich beobachtete, in welcher Art und Weise und für welchen Zweck andere Nutzer Twitter gebrauchten.
Dabei fielen mir fünf wesentliche Nutzungsmerkmale auf.
- Chat
- Werbung / Marketing (Business / privat)
- Presse
- Celebrity
- Spamer / Porn
Verbunden mit meinen ehrenamtlichen / musikalischen Engagements betreibe ich einige Profile im Web, wie z.B.
- Xing >>
Geschäftliche Kontaktsuche / Jobs
Bekanntmachung von Events
- facebook >>
Kontakt mit Freunden / Bekannten (Austausch)
Bekanntmachung von Events
- myspace >>
Einstellen von Musik / Video
Kontaksuche zu Musikern, Songwritern, Sängern
Bekanntmachung von Events
- Flikr >>
Einstellen von Bildern / Photografie
- GoogleProfile >>
und MyonID >>
Online-Visitenkarten
Veröffenlichung von Photografie- und Design Arbeiten
Gerade im Bezug auf meine künstlerischen Aktivitäten war ich geradezu frustriert darüber, wie schwierig es ist einen anständigen Traffic auf den eigenen Seiten zu generieren.
Natürlich begann ich alle Profile miteinander zu vernetzen und so den User wie bei einer Schnitzeljagd von einem zum nächsten Link zu jagen, schlussendlich aber für mich unbefriedigend, da ich bis dato kein Tool kannte welches es mir ermöglicht eine große Masse mit einem akuten Anliegen zu erreichen. Nun werden einige sicher sagen: “Aber Daniel, du kannst doch deinen Link auch einfach bei Facebook posten so dass alle deine Freunde es sehen”. Nun das ist es ja gerade. Meine Freunde kennen das Meiste was ich mache doch sowieso schon. Was ich brauchte war ein Tool nach außen. Ich vergleiche TWITTER gern mit einem kleinen aber wirksamen Gerät wie dem Megafon. Einfach zu bedienen und groß in der Wirkung. Kein anderes Tool ermöglicht mir eine solche Reichweite.
Nun, ich kenne Menschen die mir konsequent und mit großer Ausdauer Kommentare auf meiner Facebook-Pinnwand hinterlassen, in denen sie sich über die TWITTERmanie aufregen und meistens mein Nutzerverhalten anstatt der Inhalte kommentieren. Was ist da los?… frage ich.
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Eine Facebook-Pinnwand ist im Grunde nichts anderes als TWITTER
… also, jeder der seine FB-Wall mit Inhalten füllt und damit die Welt unterhalten möchte, sollte Twitter unbedingt mal ausprobieren
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Die Facebook-Startseite entspricht praktisch der Home-Site in TWITTER
… wie bei einer sich ausrollenden Schriftrolle, erscheinen auch dort alle Beiträge von Kontakten chronologisch
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Das Finden von Usern mit gleichen Interessen ist über TWITTER viel einfacher und zielgerichteter möglich als auf Facebook
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Der Aufmerksamkeits-Effekt auf TWITTER ist viel höher, da der Google-Suchalgorithmus auf sogenannte#hashtags und @mentions reagiert
TWITTER ist nichts ungewöhnliches, sondern schlicht und einfach ein wirksames Instrument, um vor die Tür zu treten und die virtuelle Welt für das reale Leben zu nutzen.
Ich habe übrigens in meinem eigenen Umfeld folgendes bemerkt: Die Frage ob man zuviel Zeit hätte, da man doch soviel poste, stellen in der Regel die Personen ohne Internetfähiges Mobiltelefon.
Ich habe bereits die fünf für mich wesentlichen Aspekte genannt, nach denen TWITTER genutzt wird. Zu Chat-, Werbung/Marketing-, Presse- und Celebrityusern muss denke ich nichts weiter gesagt werden, da es wohl unstrittig ist in welch hohem Maß TWITTER Menschen in diesen Bereichen hilft miteinander in Kontakt zu treten, Denkanstöße zu geben, sich zu informieren…
Fraglich bleibt, inwiefern der Bereich “Spamer/Porn” das Instrument TWITTER soweit in Verruf bringt, dass Menschen sich scheuen neu einzusteigen. Es ist absolut klar und unübersehbar, dass TWITTER von einer Flut von SPAMING-Nutzern überrollt wurde. Das konnte man unabhängig von den fragwürdigen Posts schon oft allein am Follower-Verhältnis erkennen. Kürzlich ist nun die TWITTER-Führung an diesem Punkt eingeschritten und löscht Accounts bei denen offensichtlich ein Missverhältnis von Folgern und Verfolgern besteht. Hat beispielsweise ein Account nur 100 Folger (Follower), folgt aber selbst 5000 so wird dieser Account schon nach kurzer Zeit entfernt.
Dass Pornografie im Internet eine große Gefahr darstellt, haben gerade die Diskussionen aus den letzten Monaten im Sommer 2009 gezeigt. Kein Social-Media Instrument in welchem dem User so gut wie alle Freiheit gegeben wird bleibt auf Dauer absolut frei von diesem Einfluss. Ob StudiVZ (Mutmaßungen über Prostitution), Facebook (Fotoalben mit teils pornografischen Inhalten), YouTube … die Freiheit der Nutzer bringt natürlich, wie sollte es auch anders sein, auch die Schattenseiten mit sich. Grundsätzlich lässt sich denke ich sagen: Das Netz ist im Großen und Ganzen schlicht ein Spiegel der Gesellschaft. Und dass diese nicht perfekt ist wissen wir alle, keine Frage. Dass nächste Generationen mehr und mehr im und mit dem “Netz” leben werden, lässt mich zu dem Schluss kommen, dass es zumindest zum Teil auch in unserer Verantwortung liegt, diese Welt welche sich da öffnet aktiv mitzugestalten und sich nicht dagegen zu sperren.
Zum Schluss: Ich mag Menschen die nicht TWITTERN…. aber sie sollten es zumindest mal ausprobiert haben!
Viele Grüße
Daniel-John